Was Sie vor der Abreise nach
Sizilien wissen sollten
Reiseführer für Einsteiger: Sprache, Verkehr, Klima, Bräuche, FAQ und Tipps von Einheimischen.
Was uns erwartet
Wer zum ersten Mal in Sizilien ankommt, hat das Gefühl, an einem Ort gelandet zu sein, der nirgendwo sonst seinesgleichen findet. Da ist etwas Älteres, Vielschichtigeres. Eine Insel, die Griechen, Araber, Normannen, Spanier und Bourbonen in sich aufgesogen hat – und von allen etwas mitgenommen hat, ohne je etwas zu vergessen.
Dieser Ratgeber richtet sich an alle, die zum ersten Mal kommen. Er ist keine Sehenswürdigkeitenliste – dafür gibt es Reiseführer. Was Sie hier finden, ist das Wissen, das man sich durchs Erleben aneignet: die Dinge, die Ihnen kein Hotel nennt, aber den Unterschied machen zwischen einer gewöhnlichen Reise und einem Erlebnis, das Sie nie vergessen werden.
In Sizilien wird Italienisch gesprochen, doch der sizilianische Dialekt ist lebendig, weit verbreitet und für Ungewohnte mitunter undurchdringlich. Auf dem Markt, unter älteren Menschen, in Dorfbars tritt das Sizilianische unvermittelt hervor. Keine Sorge: In jedem touristischen, kommerziellen oder städtischen Kontext finden Sie problemlos Gesprächspartner auf Hochitalienisch.
Englisch wird in den Unterkünften der größeren Städte und in touristisch gut erschlossenen Regionen ausreichend gesprochen. In ländlichen Gebieten oder in den Dörfern des Innenlandes ist es seltener. Einige Worte Sizilianisch zu lernen ist jedoch der schnellste Weg, jede Tür zu öffnen.
- Grüßen – „Ciau” (Hallo), „Bongiornu” (Guten Morgen)
- Danke – „Grazii” oder „Aviti” (Bitte sehr / Nur zu)
- Gut/Lecker – „Bonu” (ideal als Kommentar zum Essen)
- Bitte sehr / Gern – „Figùrati” oder „S’accomodi”
- Wie geht’s? – „Comu stai?” / „Tuttu beni?”
- Wunderschön – „Beddu/Bedda” (männl./weibl.)
- Sizilianer gestikulieren viel – das ist Kommunikation, keine Aufregung
- Das Kopfnicken nach oben bedeutet „Nein” – ein typisch sizilianisches Zeichen
- Lächeln und echtes Interesse öffnen jedes Gespräch
- Google Translate funktioniert gut als Hilfsmittel
- In den größten Städten sind viele Speisekarten auf Englisch
- Jüngere Menschen sprechen fast immer gutes Englisch
Das sizilianische Klima ist mediterran, aber nicht einheitlich. Die Küste unterscheidet sich vom Landesinneren, die Ostseite (dominiert vom Ätna) von der Westseite, der Norden vom Süden. Im Sommer ist es überall heiß – eine trockene, stechende Hitze, die sich deutlich von der schwülen Sommerhitze Norditaliens unterscheidet. Im Winter sind die Küsten mild, doch in den Gebirgsregionen wie den Madonie oder den Nebrodi kann es schneien.
Die goldene Reisezeit ist Juni oder September: Das Meer ist noch warm von Juli und August, die Menschenmassen lichten sich, die Preise sinken, und das Nachmittagslicht ist das, was jeder Fotograf bevorzugt. Für eine Kulturreise ist jede Jahreszeit geeignet – außer Januar und Februar, die kälter ausfallen.
- Sommer: leichteste Kleidung, Hut, hoher Lichtschutzfaktor
- Frühling/Herbst: eine mittlere Schicht für kühle Abende
- Küsten-Winter: leichte Jacke, selten intensiv kalt
- Innenland/Berge: Lagen und wasserfeste Schuhe
- Für archäologische Stätten: bequeme Schuhe das ganze Jahr
- Scirocco: Heißwind aus der Sahara, macht die Hitze unerträglich
- Mittagsstunden im Sommer (13–16 Uhr): Freiluftsehenswürdigkeiten meiden
- Die Sonne, die vom weißen Stein reflektiert wird, verbrennt schnell
- Leitungswasser ist fast überall trinkbar
- In den Bergen im Winter ist angemessene Kleidung Pflicht
Die Wahrheit über Siziliens Verkehrsmittel lautet: Ein Auto ist für eine wirklich umfassende Erkundung der Insel fast immer notwendig. Die Züge verbinden die wichtigsten Küstenstädte gut, aber das Landesinnere – wo einige der schönsten Orte zu finden sind – ist ohne eigenes Fahrzeug kaum erreichbar. Mieten Sie ein Auto gleich bei der Ankunft.
Für die Einreise nach Sizilien stehen zwei Hauptflughäfen zur Verfügung: Falcone-Borsellino in Palermo und Fontanarossa in Catania. Es gibt außerdem Fähren von Neapel, Genua, Civitavecchia und von Reggio Calabria (Überfahrt über die Straße von Messina in 20 Minuten).
- Palermo: Flughafen Falcone-Borsellino (PMO) – mit Zug oder Bus nach Palermo
- Catania: Flughafen Fontanarossa (CTA) – Taxi oder Bus ins Zentrum
- Trapani: Flughafen Vincenzo Florio – kleiner, Saisonflüge
- Direktflüge aus ganz Europa, Billigflieger sehr aktiv
- Palermo–Catania: ca. 2 Std. 45 Min., häufige Verbindungen
- Palermo–Messina: ca. 3 Std., malerische Nordküste
- Palermo–Cefalù: unter 1 Stunde, sehr empfehlenswert
- Catania–Syrakus: ca. 1 Std. 20 Min.
- Trenitalia und Intercity: im Sommer frühzeitig buchen
- Für das Landesinnere und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten unverzichtbar
- Straßen oft eng: Kompaktwagen empfohlen
- Achtung im Palermo- und Catania-Verkehr – chaotisch
- ZTL (Umweltzonen) in Altstädten: Einfahrtsschranken immer prüfen
- Kostenpflichtiges Parken in den größten Städten
Die sizilianische Küche ist einer der faszinierendsten Aspekte der Insel – und einer der überraschendsten für Besucher. Sie ist keine reine Restaurantküche, auch wenn es hervorragende Restaurants gibt; sie ist zugleich eine Straßenküche, eine Marktküche, eine Familienküche mit dem, was gerade da ist. Jahrtausende alt in ihren Zutaten (Pistazie, Mandeln, Fenchel, Kapern, Rosinen) und arabisch in den Gewürzen (Zimt, Safran, Kreuzkümmel im Süßen).
Das Essen ändert sich von Provinz zu Provinz grundlegend. Die Arancine aus Palermo sind nicht die gleichen wie in Catania. Der Fisch aus Trapani schmeckt anders als der aus Messina. Die Schokolade aus Modica gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Essen Sie lokal, essen Sie saisonal, essen Sie dort, wo die Sizilianer essen.
- Arancino/Arancina – gebratene Reisknödel (männlich in Catania, weiblich in Palermo)
- Granita mit Brioche col tuppo – das sizilianische Frühstück schlechthin
- Pasta alla Norma (Catania), con le sarde (Palermo), al pesto trapanese
- Cannolo frisch gefüllt – nie mit einem Tag alter Ricotta
- Cioccolato di Modica – roh, ohne Kakaobutter, uralt und einzigartig
- Caponata – süß-saures Auberginen-Gericht mit Kapern, Oliven, Sellerie
- Pane ca meusa (Palermo) – gebratene Milz. Probieren Sie es, auch wenn’s abschreckt
- Historische Märkte (Ballarò, Vucciria, Capo) sind die wahre sizilianische Kantine
- Hängt draußen ein „Menù turistico”, suchen Sie lieber weiter
- Sizilianische Bars öffnen um 6–7 Uhr: das Frühstück ist heilig
- Mittagessen zwischen 13 und 15 Uhr, Abendessen nach 20 Uhr (oft nach 21 Uhr)
- Leitungswasser ist fast überall gut – nutzen Sie es
- Lokaler Wein (Nero d’Avola, Grillo, Catarratto) ist exzellent und preiswert
Sizilianer sind gastfreundlich auf eine Art, die Menschen aus dem Norden manchmal verwirrt – eine konkrete, körperliche Gastfreundschaft aus angebotenem Essen, offenen Türen und Zeit, die ohne Berechnung geschenkt wird. Wenn jemand Ihnen etwas zu essen oder zu trinken anbietet, nehmen Sie es zumindest beim ersten Mal an. Ablehnen ist eine kleine Unhöflichkeit.
Das Lebenstempo ist ein anderes. Die Städte erwachen langsam, beleben sich zur Mitte des Morgens, kommen am Nachmittag zum Stillstand und explodieren abends wieder. Das sizilianische Nachtleben beginnt nach 22 Uhr. Erwarten Sie nicht, dass alles nach Schweizer Uhrwerk funktioniert – und betrachten Sie das nicht als Mangel.
In Sizilien funktioniert die Zeit anders. Es ist keine Langsamkeit – es ist eine andere Beziehung zu Prioritäten. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, fällt die Rückkehr schwer.
- In Kirchen: Schultern und Knie bedeckt – immer
- Keine Fotos von Personen ohne vorherige Erlaubnis
- Beim Betreten und Verlassen eines Geschäfts grüßen – gute Kinderstube
- In Wohnvierteln nicht beim Gehen auf der Straße essen
- Feilschen auf dem Markt ist üblich; in Geschäften nicht
- Nachtlärm wird in Wohnvierteln schlecht toleriert
- Der abendliche Spaziergang ist eine gesellschaftliche Institution
- Patronatsfeste sind echte Gemeinschaftsereignisse, kein Folklorismus
- Die Familie steht noch immer im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens
- Kaffee trinkt man an der Theke, schnell, am liebsten Espresso
- Das „Cuntu” – Geschichten erzählen – ist alltägliche Kunst
- Sizilianer geben Wegbeschreibungen großzügig, aber nicht immer präzise
Sizilien ist im Allgemeinen günstiger als Rom, Mailand oder Venedig – und deutlich günstiger als die meisten vergleichbaren Mittelmeerziele in Griechenland oder Spanien. Die Preise variieren jedoch stark: In stark frequentierten Touristenzonen in der Hochsaison kann es teuer sein, während man wenige Kilometer weiter alles zum halben Preis bekommt.
Bargeld ist nach wie vor wichtig. Viele kleine Restaurants, Bars, Märkte und Dorfläden akzeptieren nur Bares. Haben Sie immer einige kleine Scheine dabei: Sizilianer mögen es nicht, auf 50-Euro-Scheine wechseln zu müssen.
- Kaffee an der Bar: 1,20–1,50 €
- Granita mit Brioche: 2,50–4,00 €
- Arancina: 2,00–3,50 €
- Mittagessen in einer Trattoria: 12–18 €
- Abendessen im mittleren Restaurant: 25–40 €
- Eintritt archäologische Stätte: 6–15 €
- Übernachtung B&B in der Provinz: 50–90 €
- Euro (€) – offizielle Währung
- Kartenzahlung in Städten üblich; in Dörfern weniger
- Märkte, Dorfbars, Straßenverkäufer: nur Bargeld
- Geldautomaten (ATM/Postamat) überall verfügbar
- Trinkgeld: nicht Pflicht, aber willkommen (1–2 €)
- Erster Sonntag im Monat: viele staatliche Museen kostenlos
- In B&Bs oder Agriturismi außerhalb der Hauptstädte übernachten
- Mittagessen auf dem Markt – günstig und authentisch
- Juli–August meiden wegen der höchsten Preise
- Fähren und Züge frühzeitig buchen
- Staatliche Regionalmuseen: günstiges Kombiticket
Manche Dinge lernt man erst, wenn man in Sizilien lebt oder die Insel viele Male besucht. Es sind kleine Beobachtungen, die Aufmerksamkeit erfordern. Ich teile sie, weil sie den Unterschied zwischen einer guten und einer außergewöhnlichen Reise ausmachen können.
- Im Sommer Hauptsehenswürdigkeiten online vorbuchen – das Tal der Tempel, das Griechische Theater von Syrakus und Taormina füllen sich schnell
- Freiluftsehenswürdigkeiten früh morgens besuchen: Vor 9 Uhr ist es eine andere Dimension
- Der Morgenmarkt ist das echte lokale Frühstück – authentischer als jedes Touristenlokal
- Fragen Sie Ihre B&B-Gastgeber nach ihren Lieblingsorten – sie liegen fast nie falsch
- Unterschätzen Sie das Innere Siziliens nicht: Enna, Caltagirone, Piazza Armerina, Gangi sind den Umweg wert
- Fahren Sie langsam auf Provinzstraßen – die Kurven kommen immer früher als erwartet
- Essen Sie kein internationales Essen in Sizilien – essen Sie lokal; für eine schnelle Mahlzeit vertrauen Sie dem, was Sizilianer lieben (Sfincione, Pane cunzato, Arancina, Rosticceria)
- Erwarten Sie keine absolute Pünktlichkeit – planen Sie immer Puffer ein
- Besuchen Sie Taormina nicht nur im August – es ist immer wunderschön, aber überfüllt
- Kaufen Sie keine Souvenirs am Eingang der Sehenswürdigkeiten – doppelter Preis, überall dieselben
- Lassen Sie im geparkten Auto keine Wertsachen, besonders in städtischen Gebieten
- Betreten Sie Kirchen nicht mit unbedeckten Schultern – man könnte Sie am Eingang aufhalten
- Caltabellotta (AG) – an Felsen geklammerte Ortschaft auf 1.000 Metern, fast verlassen und spektakulär
- Palazzo Adriano (PA) – das Dorf aus „Cinema Paradiso”, geblieben wie es war
- Petralia Soprana (PA) – das höchstgelegene Dorf der Madonie, mittelalterlich und unberührt
- Scicli (RG) – schöner als Ragusa und weniger überlaufen, Drehort von Montalbano
- Tusa (ME) – kleines Dorf mit einem Museum für zeitgenössische Kunst auf dem Meeresgrund
- Marzamemi (SR) – Fischerdorf in der Provinz Syrakus, eines der schönsten der Küste
- Pantelleria – nicht Sizilien im klassischen Sinne, aber eine Insel, die den Atem verschlägt
Vor der Abreise – die Checkliste
Was zu tun, zu buchen und mitzunehmen ist. In der richtigen Reihenfolge.
📋 Vorher erledigen
- Flüge und Unterkunft frühzeitig buchen, besonders im Sommer
- Mietwagen online reservieren – günstiger als vor Ort
- Öffnungszeiten der gewünschten Sehenswürdigkeiten prüfen (saisonal unterschiedlich)
- Erster Sonntag im Monat? Viele staatliche Museen sind kostenlos
- Die Trenitalia-App herunterladen und Zugtickets im Voraus kaufen
🎒 Was einpacken
- Bequeme Schuhe mit robuster Sohle – Pflicht für alle Sehenswürdigkeiten
- Hoher Lichtschutzfaktor von Juni bis September
- Bargeld in kleinen Scheinen (5, 10, 20 Euro)
- Steckdosenadapter für italienische Steckdosen (Typ F / Typ L)
- Wiederverwendbare Trinkflasche: Leitungswasser ist gut
📱 Nützliche Apps und Ressourcen
- Trenitalia – Zugtickets in Echtzeit
- Google Maps – funktioniert auch offline mit heruntergeladener Karte
- Sicilia Beni Culturali (Region) – Öffnungszeiten und Infos zu Sehenswürdigkeiten
- AMAT Palermo / AMT Catania – städtischer Nahverkehr
- Meteo.it – zuverlässige lokale Wettervorhersagen
🏥 Gesundheit und Sicherheit
- Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) für EU-Bürger
- Apotheke: am grünen Kreuz zu erkennen – auch nachts im Wechseldienst geöffnet
- Notruf: einheitliche europäische Notrufnummer 112
- Achtung vor Austrocknung im Sommer: viel trinken
- Manche Felsbuchten haben keine Rettung in der Nähe: Vorsicht walten lassen
🌿 Respekt für Natur und Umwelt
- In Naturschutzgebieten keine Blumen, Pflanzen oder Steine mitnehmen
- Rauchen ist an bewirtschafteten Stränden verboten
- Keinen Abfall hinterlassen – Siziliens Naturgebiete leiden bereits darunter
- Fotografieren an UNESCO-Stätten: Hinweise auf Einschränkungen beachten
- Wenn möglich bei lokalen Erzeugern kaufen
📚 Zum besseren Verständnis
- Der Leopard von Tomasi di Lampedusa – der sizilianische Roman schlechthin
- Die Montalbano-Reihe (Camilleri) – ein authentisches Bild des sizilianischen Alltags
- Filme: Cinema Paradiso, Il Postino, Stromboli
- Podcast: „Sicilia in Podcast” für historische und kulturelle Vertiefungen
„Sizilien besucht man nicht. Man erlebt es – im besten Sinne des Wortes. Reisen Sie ohne Erwartungen an und kehren Sie mit etwas heim, für das Ihnen die Worte fehlen.”
- Nützliche Artikel und Links für Reisen nach Sizilien:
- – Siciliaviva
- – Viaggio in Sicilia in 10 tappe
- – Parole siciliane da conoscere
- – Parchi archeologici Sicilia -sito ufficiale
- – Trenitalia.it